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Monat: April 2024

Shōgun (Mini-Serie) – Dieses umwerfende Historiendrama muss man gesehen haben

Shōgun (Mini-Serie) – Dieses umwerfende Historiendrama muss man gesehen haben

7p8mr29. April 2024

⭐⭐⭐⭐⭐ (Disney+)

Was für eine Wohltat und Augenweide: Eine so verschwenderisch inszenierte Serie wie «Shōgun» war schon lange nicht mehr zu sehen auf dem Bildschirm. In Zeiten, in denen Streaminganbieter die Kosten drücken, grenzt es an ein Wunder, dass ein solches Epos überhaupt zustande kam. Was die Produktionsfirma FX mit dem Historiendrama aus der frühen Neuzeit Japans abliefert, ist ein umwerfendes Serienhighlight.

«Shōgun» bietet alles, was das Herz begehrt: dramatische Schicksale, hinterhältige Intrigen, blutige Kämpfe, unerfüllte Liebe. Das alles inszeniert in grossartigen Bildern, mit aufwendigem Setdesign und umfangreichen Spezialeffekten.

Man muss der Serie vor allem zugutehalten, dass sie sehr authentisch in die japanische Geschichte des 17. Jahrhunderts eintaucht. Anders als beim gleichnamigen Fünfteiler von 1980 steht nicht der Europäer im Vordergrund, der mit westlichem Blick den Machtkampf japanischer Fürsten verfolgt.

Die Hauptfigur ist der Fürst Yoshii Toranaga, der als grosser Ränkeschmied zum Shōgun aufsteigen wird. Nicht aber ohne die entscheidende Hilfe einer ergebenen Edelfrau und mit ein bisschen Unterstützung durch diesen Engländer, der in Japan anlandet. Wie sich ihre Wege kreuzen, erzählt «Shōgun» über fast zehn Stunden, wobei man jede Minute geniesst.

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Anthracite (Mini-Serie) – Ein überdrehtes Verwirrspiel

Anthracite (Mini-Serie) – Ein überdrehtes Verwirrspiel

7p8mr25. April 2024

⭐⭐⭐ (Netflix)

«Anthracite» spielt in den französischen Alpen, in der fiktiven Kleinstadt Lévionna, in deren Umgebung irgendwo viel Schnee liegt. Meistens sind die Strassen aber aper und die Wiesen grün. Wie das geografisch zusammenhängt, hat sich mir nie ganz erschlossen.

Möglich, dass die Produzent:innen vergassen, hier ein wenig Klarheit zu schaffen, weil sie allzu sehr damit beschäftigt waren, sich all die anderen Rätsel für die Geschichte auszudenken, die «Anthracite» spannend machen sollen. Ein Verwirrspiel ist ihnen damit sicher gelungen. Allerdings ein viel zu überdrehtes.

Die Internetdetektivin Ida stösst auf der Suche nach ihrem verschwundenen Vater auf einen mysteriösen Massenmord in einer Sekte, der sich vor 30 Jahren in Lévionna ereignete. Sowohl ihre Familiengeschichte als auch jene von Jaro, den sie kennenlernt, hängen mit den Geschehnissen von damals zusammen.

Mit Ida, Jaro und ein paar weiteren Figuren der Geschichte fiebert man durchaus mit. Oft schüttelt man aber über die Geschichte den Kopf, die einen auf falsche Fährten führt und mehr Haken schlägt als ein Hase auf der Flucht.

Weil am Schluss vieles gut kommt, könnte einen die Serie mit einem freudigen Gefühl entlassen. Tut sie leider nicht, weil sie in den letzten Minuten noch einmal eine völlig unnötige Volte schlägt.

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Fallout (Staffel 1) – Spiel mir das Lied vom Weltuntergang

Fallout (Staffel 1) – Spiel mir das Lied vom Weltuntergang

7p8mr23. April 2024

⭐⭐⭐⭐ (Prime Video)

Jahrelang garantierten Verfilmungen von Computergames schlechte bis bestenfalls mittelmässige Unterhaltung. Das hat sich geändert. Herausragende Beispiele sind «The Last of Us» oder «The Witcher».

«Fallout» setzt die Serie der gelungenen Gameumsetzungen fort. Etwas überraschend, denn im Gegensatz zu «The Last of Us», das sich durch einen fast schon poetischen Roadmovie-Unterton auszeichnet, ist «Fallout» ein eher konventionelles Postapokalypse-Game. Diese Welt nach der nuklearen Katastrophe – und auch jene davor – inszeniert die Serie aber ungemein stimmungsvoll.

Die Apokalypse ereignet sich 2077 in einer Welt, die aber mehr daherkommt wie die USA in den 1950er-Jahren im Kalten Krieg. Über 200 Jahre danach bricht die junge Lucy aus der behüteten Welt einer Bunkergemeinschaft auf ins atomare Ödland, um ihren Vater zu suchen.

Lucy wandelt sich schnell zur Überlebenskämpferin, denn in der Welt draussen herrscht das Gesetz des Stärkeren und an jeder Ecke lauern mutierte Monster.

«Fallout» gefällt, weil die Serie nicht als eintönige Gewaltorgie daherkommt. Sie bedient sich der Stilmittel des Westerns und arbeitet mit der Ästhetik der 50er-Jahre. «Fallout» ist aber vor allem höchst amüsant wegen der Unmenge an skurrilen Figuren und grotesken Abenteuern, die die Protagonist:innen bestehen müssen.

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Ripley (Mini-Serie) – Magische Momente in hartem Schwarzweiss

Ripley (Mini-Serie) – Magische Momente in hartem Schwarzweiss

7p8mr19. April 2024

⭐⭐⭐⭐⭐ (Netflix)

«Ripley» ist eigentlich eine Zumutung. Über siebeneinhalb Stunden erstreckt sich die Geschichte über einen Hochstapler und Mörder. Dabei liesse sich das gut in zwei Stunden erzählen, wie der Film «The Talented Mr. Ripley» (1999) beweist. Dazu ist die Serie erst noch in hartem Schwarzweiss gedreht, was die Netzhaut strapaziert.

Aber genau, weil sich «Ripley» so viel Zeit nimmt für seine Geschichte und sie in einer fantastischen Optik erzählt, ist die Serie eine Wucht. Man muss zwar die Aufmerksamkeitsspanne neu kalibrieren, wird dafür aber reichlich belohnt.

Das beginnt bei Andrew Scott, der diesen Ripley mit maximaler Gefühlslosigkeit und minimaler Mimik spielt. Ihm schaut man gebannt jede Minute zu, wie er vom kleinen Gauner zum Mörder wird, der in die Identität eines reichen Amerikaners schlüpft und über Monate ein Versteckspiel treibt mit Freund:innen seines Opfers und der Polizei.

Autor und Regisseur Steven Zaillian erzählt diese Geschichte gemächlich und mit deiner Detailversessenheit, die manchmal fast masslos wirkt. Dazu kommen die gewaltigen Aufnahmen, die Kameramann Robert Elswit in der Tradition des Film noir mit Licht- und Schattenspielen auf den Bildschirm zaubert. Deshalb ist «Ripley» keine Zumutung, sondern purer Genuss.

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Welches ist der beste Streamingdienst?

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7p8mr15. April 2024

Ein bisschen Zahlen knobeln mit den Bewertungen der besprochenen Serien. Welcher Streamingdienst hat die meisten Sterne bekommen? Wo findet man die besten Krimis oder Komödien?

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Charité (Staffel 4) – Die Zukunft kann mit der Vergangenheit nicht mithalten

Charité (Staffel 4) – Die Zukunft kann mit der Vergangenheit nicht mithalten

7p8mr15. April 2024

⭐⭐⭐ (ARD, ausserhalb D nur mit VPN)

«Charité» hatte über drei Staffeln eine Erfolgsformel: ein weltbekanntes Krankenhaus, ein bisschen Medizingeschichte, fiktive Figuren für die emotionale Zuschauerbindung und ein packendes historisches Umfeld. Das hat sehr gut funktioniert.

Mit der vierten Staffel wagt die Serie den Sprung in die Science-Fiction, denn sie spielt in der Zukunft, im Jahr 2049. Damit entfällt ein Teil der Erfolgsformel, weshalb die Staffel nicht an die Vorläufer heranreicht.

Es ist zwar durchaus spannend, in welche Welt uns die vierte Staffel führt. Der Klimawandel setzt ein gefährliches Bakterium aus dem ewigen Eis frei. Die Spitzenforscherin Maral Safadi versucht, dem tödlichen Erreger Herrin zu werden und greift dazu zu radikalen Methoden. Dabei vernachlässigt sie aber ihre Familie, was zur Ehekrise mit ihrer Frau führt.

Auch mit ihrer Mutter, die als Chirurgin in der Charité arbeitet, liegt sie im Zwist, weil Maral bei einer umstrittenen Gesundheitsreform als Beraterin mitgewirkt hat. Die Reform führt zu einer Zweiklassenmedizin, die die Mutter nicht hinnehmen will.

Es gibt noch weitere Figuren und Geschichten, die ein Bild entstehen lassen, wie Medizin und Gesundheitspolitik in der Zukunft aussehen könnten. Das ist nicht schlecht gelungen. Aber weil es reine Fiktion ist, vermag die Staffel einen nicht so reinzuziehen, wie es die Vorgängerinnen getan haben.

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The Regime (Mini-Serie) – Auch Kate Winslet kann diese missratene Satire nicht retten

The Regime (Mini-Serie) – Auch Kate Winslet kann diese missratene Satire nicht retten

7p8mr12. April 2024

⭐⭐ (Sky Show)

Autokraten haben wir einige in Europa: Putin, Orbán oder Erdoğan. Frauen findet man (noch) keine, aber Marine Le Pen und Georgia Meloni sind auf gutem Weg in den Zirkel der Feinde von Freiheit und Demokratie.

Da trifft «The Regime» eigentlich den Nerv der Zeit, wenn Kate Winslet als rücksichtslose, selbstverliebte und paranoide Despotin durch einen Palast irgendwo in Mitteleuropa stapft.

Weil die Serie als Satire daherkommt, hofft man darauf, über die realen politischen Entwicklungen wenigstens beim Streamingabend mal herzhaft lachen zu können. Und wird leider enttäuscht.

Die Satire funktioniert nicht, weil «The Regime» seine weibliche Hauptfigur viel zu lächerlich inszeniert. Dazu kommt ein sexistischer Unterton, der ebenfalls sehr irritiert.

Es ist nicht alles misslungen in der Serie. Ein paar nette Anspielungen auf Putins Paranoia und eigentümliche Innenausstattung sind durchaus gelungen. Wie auch die Inszenierung der Amis als unmoralische Machtpolitiker:innen.

Aber das reicht nicht, um aus «The Regime» eine gelungene Satire zu machen. Ebenso wenig wie das Können von Kate Winslet. Sie verleiht der schrecklichen Kanzlerin zwar Strahlkraft, aber sie hätte sich weigern sollen, mit schrägem Mundwinkel und leichtem Lispeln zu spielen.

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Mary & George (Staffel 1) – Die machthungrige Mutter und der lüsterne König

Mary & George (Staffel 1) – Die machthungrige Mutter und der lüsterne König

7p8mr10. April 2024

⭐⭐⭐ (Sky Show)

Was für ein skurriler Plot. Eine Mutter schickt ihren Sohn zur Ausbildung nach Frankreich, damit er dort lernt, wie er dem englischen König als Lustobjekt dienen kann. Das Faszinierende daran: Die Geschichte, die «Mary & George» erzählt, ist (grösstenteils) wahr.

Sowohl Mary Villiers wie ihr Sohn George sind historisch verbürgte Figuren und haben als Countess und Duke of Buckingham Eingang in die Geschichtsbücher gefunden. Der König, dessen Gunst sie erwerben wollen, ist James I (Tony Curran), der erste britische Monarch aus dem Hause Stuart.

Verschiedene Hindernisse gilt es aus dem Weg zu räumen, damit George zum Schlafgemach seiner Majestät Zugang erhält. Mary ist dabei wenig zimperlich, scheut keine Intrige und schreckt auch vor Mord nicht zurück.

Dieser erste Teil der Serie ist zwar notwendig zur Etablierung der Figuren, aber zu eintönig und repetitiv. Spannend wird es erst im zweiten Teil, als George vom Loverboy zum Berater des Königs aufsteigt. Das führt auch zum Zerwürfnis zwischen Mutter und Sohn.

Die folgenden Ränkespiele halten einen bei Laune. Nicht zuletzt dank Julianne Moore als Mary Villiers, die in jeder Einstellung überzeugt. Aber der Blick durchs Schlüsselloch in die verschiedensten Schlafzimmer, den die Serie gerne und immer wieder wählt, ist gesamthaft zu aufdringlich. Die vielen historischen Ereignisse, die die Serie aufgreift, kommen zu kurz.

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Renegade Nell (Staffel 1) – Robin Hood trifft Tinkerbell

Renegade Nell (Staffel 1) – Robin Hood trifft Tinkerbell

7p8mr9. April 2024

⭐⭐⭐⭐ (Disney+)

Im Wald, da sind die Räuber, weiss man dank des deutschen Volkslieds schon lange. Das gilt aber auch für England im Jahr 1705. Die junge Nell Jackson macht die unerfreuliche Bekanntschaft mit Banditen.

Die Begegnung nimmt allerdings einen unerwarteten Verlauf – für die Räuber. Nell fängt die Kugeln aus ihren Musketen mit der blossen Hand und verhaut sie gnadenlos. Ihre übermenschlichen Kräfte könnten vielleicht mit diesem komischen Lichtkügelchen zu tun haben, das nach dem Kampf aus ihrem Mund rausfliegt.

Das Lichtwesen entpuppt sich als männliche Fee Billy Blind und hat den Auftrag, Nell zu beschützen. Dazu erhält Billy reichlich Gelegenheit in «Renegade Nell». Nell muss mit ihren beiden Schwestern fliehen, weil sie des Mordes beschuldigt wird. Das ist aber erst der Anfang ihres Abenteuers, bei dem es am Schluss um nichts Geringeres geht, als die englische Monarchie zu retten.

«Renegade Nell» ist eine spassige Mischung aus Robin Hood, Peter Pan, Pippi Langstrumpf mit einem Schuss schwarzer Magie aus Harry Potter. Dazu kommen ein paar nette Seitenhiebe gegen eine Gesellschaft, in der sich die Reichen alles herausnehmen können. Und gegen eine Presse, die lieber verkaufsträchtige Schlagzeilen produziert, als die Fakten zu berichten. Das bereitet Vergnügen beim Zuschauen, so wie es offensichtlich dem Cast auch Vergnügen bereitete zu spielen.

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Kafka (Mini-Serie) – Der Mensch hinter dem Käfer

Kafka (Mini-Serie) – Der Mensch hinter dem Käfer

7p8mr6. April 2024

⭐⭐⭐⭐⭐ (ARD)

Zum 100. Todestag bringt die ARD eine Mini-Serie über den Ausnahmedichter Franz Kafka. Das kommt gut an in den deutschsprachigen Feuilletons.

Zu Recht und man sollte sich nicht abschrecken lassen, wenn man in Besprechungen etwa liest: «Es ist nicht die Konkretisierung einer Persönlichkeit, sondern das Zurücktreten eines Ich hinter das Selbst der Sprache.» Denn die Serie ist keineswegs so verkopft, wie ein solcher Satz vermuten liesse.

«Kafka» ist von Daniel Kehlmann so lustvoll und trotz einer gewissen Sperrigkeit der Hauptfigur leichtfüssig geschrieben, dass man gebannt dabei bleibt, wenn sich die Serie ihrer Hauptfigur über Personen aus seinem Leben annähert.

Im Vordergrund stehen zwei Männer und drei Frauen. Max Brod, Kafkas Mentor und Nachlassverwalter. Kafkas Vater Hermann, ein Tyrann, der ihn möglicherweise inspirierte, «Die Verwandlung» zu schreiben.

Kafkas komplizierte Beziehung zu Frauen erzählt die Serie in eindrücklichen Episoden anhand seiner Verlobten, Felice Bauer, seiner Übersetzerin Milena Jesenská und Dora Diamant, die ihn in seinen letzten Tagen begleitete.

«Kafka» ist von der ersten bis zur letzten Minute ein immenser Genuss. Nicht zuletzt dank eines hervorragenden Joel Basman als Kafka, dem aber alle seine Mitspieler:innen in nichts nachstehen.

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